WALTER RAMPL

Meine fotografische Pilgerreise

Seit April 2007 bereise ich nun, begleitet von meiner Frau Christine, das ganze Land, Nord-, Süd- und Osttirol. Wir kommen in Ortschaften, von denen wir bisher noch nie etwas gehört haben. Ehrlich, wussten  Sie, wo Falterschein (bei Landeck), Aberstückl (im Sarntal) oder Tessenberg (Osttirol) liegen? Kleine Orte mit einer wunderschönen Kirche!

Wir erlebten freundliche Mesner und Mesnerinnen oder andere freiwillige Helfer, die gerade beim Schmücken der Kirche waren und uns bereitwillig Auskunft gaben. Wir erlebten Friedhofs- und Kirchenbesucher, die uns zunächst etwas skeptisch betrachteten ( könnten ja auch ein Einbrecher sein!), wenn wir sie jedoch ansprachen, uns alles erklärten, was wir wissen wollten.

Auch Priester und Ordensschwestern zeigten sich erfreut darüber, dass wir ihre Kirche fotografieren wollten. Leider gibt es auch ein Negativbeispiel (Pfarrkirche Innsbruck-Amras), wo uns der Pfarrer das Fotografieren untersagte.

Wie nahe Freud und Leid beisammen liegen erlebten wir an einem Samstag im Mai: In einer Kirche in Bozen wurde geheiratet und die Stimmung der Hochzeitsgäste war entsprechend fröhlich. Eine Stunde später kamen wir nach Barbian bei Klausen in Südtirol und  hatten den Eindruck, dass das ganze Dorf weinte. Auch hier ein freundlicher Pfarrer, der uns aufklärte: Ein junger Mann, der bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam, wurde zu Grabe getragen.

Bozen - Regina Pacis/Pfarrkirche Königin des Friedens Pfarrkirche Barbian: Ein Dorf in Trauer

Neben dem fotografischen Aspekt, der anfangs im Vordergrund war, bleibt aber auch für das persönliche Gebet, oft in Form eines Liedes, ausreichend Zeit. Manche Kerze wird angezündet und an der armen Bettlerin vor dem Brixner Dom kommen wir auch nicht ohne Zuwendung vorbei.

Mehr und mehr verstärkte sich in uns das Gefühl, dass wir uns auf einer ganz persönlichen Pilgerreise befanden.

Schade, dass wir - sehr selten- auch an verschlossene Kirchentüren stießen. Wir haben ja Verständnis dafür, dass man Kirchen, die abseits vom Wohngebiet liegen, absperren muss. Wenn man aber umsonst den Berg hinaufhatscht ist es ärgerlich. Eine Idee: Könnte man nicht am Beginn des Aufstiegs zur Kirche einen Hinweis anbringen, dass die Kirche geschlossen ist? (Thaur/Romedikirche, Lermoos/Bichlkirche, Imst/Laurentius...)